Super Bowl: Starker Wirtschaftsfaktor
Von Douglas MacMillan and Paula Lehman
30. Januar 2008 - Für Unternehmer Steve Sodell startete der Super Bowl bereits Ende Oktober 2007, als er und sein zwölfköpfiges Team damit begannen, Verkaufsflächen in Einkaufsstraßen und Hotels im Großraum Phoenix (Arizona) anzumieten und die Regale mit Trikots, Kappen und anderen Fanartikeln der amerikanischen Profiliga National Football League (NFL) zu füllen, auf denen das offizielle Logo des diesjährigen Super Bowl XLII prangt.
Wenn das Spektakel am 3. Februar endlich stattfindet, wird sein behelfsmäßiges Merchandising-Imperium 24 Ladengeschäfte und 42 Mitarbeiter umfassen. Zehn Tage später ist das Geschäft vorbei und Sodell beginnt mit den Planungen für den im kommenden Jahr in Tampa (Florida) stattfindenden Super Bowl. „Uns bleibt nur ein sehr kleines Zeitfenster zum Geldverdienen“, so Sodell.
Werbung ist sehr, sehr teuer geworden
Das Rennen um den Profit mit dem Super Bowl ist in vollem Gange. Während die Mannschaft der New England Patriots alles daran setzen wird, das erste Football-Team in der NFL zu sein, das die Saison ungeschlagen mit einem perfekten 19:0-Rekord beendet, setzen Unternehmen landesweit auf die wirtschaftliche Zugkraft dieses Endspiels in der Hoffnung, dass es jedes andere Einzelereignis der Sportgeschichte in den Schatten stellen wird.
Einige Rekorde wurden bereits aufgestellt. Die Preise für einen 30-Sekunden-Spot in den Werbepausen der Super-Bowl-Übertragung des Fernsehsenders Fox liegen mit 2,7 Millionen Dollar auf einem Allzeithoch. Und auch diejenigen, die das Ereignis auf den Rängen des University of Phoenix Stadium mitverfolgen möchten, müssen für ein Ticket noch nie dagewesene 700 bis 900 Dollar hinblättern. Eine ganze Armee von Unternehmen und Geschäftstreibenden - von Snackherstellern und Elektrogerätehändlern über Buchmacher in Las Vegas bis hin zu Hotelbetreibern in Phoenix - hat sich bereits für diesen Super Bowl gewappnet und hofft darauf, dass die amerikanischen Verbraucher ihre Sorgen über eine sich abschwächende Wirtschaft verdrängen und diesen „Supersonntag“ mit ausgelassenen Partys und ungetrübter Kauflaune begehen.
Es mag vielleicht überraschen, dass die NFL und die Akteure auf dem Spielfeld nicht die größten Profiteure dieses Großereignisses sind. Jeder Spieler der siegreichen Mannschaft erhält 78.000 Dollar, während die Verlierer jeweils 40.000 Dollar kassieren. Der Löwenanteil der NFL-Einnahmen wird mit Merchandising erzielt, das am Austragungsort, im NFL-Online-Shop und in Läden im ganzen Land feilgeboten wird. Im Jahr 1997 wurde mit diesen Fanartikeln ein Umsatzrekord von rund 125 Millionen Dollar erzielt. Seitdem bewegen sich die Umsatzzahlen nur knapp unterhalb dieses Niveaus.
Daneben geht auch ein Großteil der Einnahmen aus Ticketverkäufen an die NFL, die sich in diesem Jahr - in einem mit 72.000 Zuschauern restlos ausverkauften Stadion und bei einem durchschnittlichen Ticketpreis von 800 Dollar - auf 57,6 Millionen Dollar belaufen werden.
Ein „Supersonntag“ der Werbung
Doch das alles sind kleine Fische verglichen mit dem, was manchen Unternehmen bevorsteht. Während der regulären Spielsaison machen die von Fernsehsendern abzuführenden Gebühren für Übertragungsrechte etwa die Hälfte der NFL-Einnahmen aus. Wenn jedoch der Super Bowl ansteht, dann gehen sämtliche Gewinne aus teuren Werbespots an den alleinigen Übertragungssender. In diesem Jahr hat sich der zur News Corporation gehörende Sender Fox dieses Privileg gesichert.
Unter den TV-Großereignissen ist der Super Bowl für Millionen und Abermillionen amerikanischer Zuschauer ein absolutes Muss. Für viele Fans sind auch die aufwändig produzierten Werbespots Teil des Spektakels. Laut einer vor kurzem vom Branchenverband Retail Advertising & Marketing Association durchgeführten Umfrage schalten 36,6 Prozent der befragten Zuschauer hauptsächlich wegen der Werbung ein.
Nach Angaben des Markforschungsinstituts TNS Media Intelligence verlangte der Fernsehsender CBS im vergangenen Jahr für einen 30-Sekunden-Spot in den Werbepausen der Super-Bowl-Übertragung sowie während der Vor- und Nachberichterstattung des Senders durchschnittlich 2,4 Millionen Dollar. Presseberichten zufolge hat Fox die Preise dieser dreißigsekündigen Spots auf 2,7 Millionen Dollar angehoben. Die gesamten Ausgaben für Werbespots während der Veranstaltung sowie während der Vor- und Nachberichterstattung dürften sich damit auf 275 Millionen Dollar summieren.
Das große Geschäft mit Fernsehgeräten
Diese Summe dürfte von Elektrogerätehändlern jedoch ohne weiteres übertroffen werden. Laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbands Consumer Electronics Association (CEA) haben 48 Prozent der sich selbst als Sportfans bezeichnenden Besitzer hochauflösender Fernsehgeräte ihr jeweiliges Gerät anlässlich eines bestimmten Sportereignisses gekauft. Es überrascht daher wenig, dass der Super Bowl als populärstes amerikanisches Sportereignis hierbei am häufigsten genannt wurde. Nach Schätzungen der CEA sorgte der Super Bowl 2007 für einen HDTV-Geräteumsatz in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar.
„Es gibt nur sehr wenige Anlässe, die sich für Partys vor der Mattscheibe eignen, und der Super Bowl ist einer davon“, meint Brian Lucas, Sprecher von Best Buy. In den vergangenen Jahren schnürte diese Elektronikhandelskette Super-Bowl-Rabattpakete für HDTV- und Audio-Geräte, Pay-TV-Abos und DVD-Player der nächsten Generation. Andere Händler, darunter Circuit City, garantieren, dass sie alle bis zum 30. Januar gekauften Geräte pünktlich vor dem großen Tag liefern und anschließen.
Kein Super Bowl ohne Snacks und Erfrischungsgetränke!
Auf ein HDTV-Gerät könnte ein Super-Bowl-Fan vielleicht noch verzichten, auf Snacks und Erfrischungsgetränke jedoch auf keinen Fall. Für Hersteller von Snacks, Limonade und Bier ist die Super-Bowl-Zeit seit langem eine der umsatzstärksten des Jahres. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts ACNielsen war der Umsatz bei 73 Produktkategorien (Nahrungsmittel und Getränke) in der Woche vor dem Super Bowl 2007 um insgesamt 261 Millionen Dollar höher als in einer durchschnittlichen Woche des Jahres. Beliebtester Partysnack waren Tortilla-Chips mit einem Umsatzplus von 29 Prozent oder 13,4 Millionen Dollar gegenüber dem durchschnittlichen Wochenumsatz.
Frito-Lay, die Snack-Sparte von PepsiCo und mit ihrer Marke Tostitos Kategorieführer bei Tortilla-Chips, rüstet sich für das Großereignis. „An keinem anderen Tag des Jahres werden so viele Snacks konsumiert wie während des Super Bowls“,, sagt Frito-Lay-Sprecherin Aurora Gonzalez. „Im Vorfeld des Super Bowls steigern wir unsere Produktion von Kartoffel- und Tortilla-Chips um mehr als zehn Millionen Pfund.“
Wirtschaftliche Impulse für die Ausrichterstadt
Doch vermutlich erhofft sich kein Unternehmen so viel vom diesjährigen Football-Finale wie die Ausrichterstadt Phoenix. Als Tempe (Arizona) im Jahr 1996 Gastgeber des Super Bowls war, schätzten Volkswirte am Arizona State University College of Business die wirtschaftlichen Impulse des Sportereignisses für die lokalen Branchen - vom Lebensmittelhandel über Hotelbetreiber bis hin zum Freizeitsektor - auf 306 Millionen Dollar. Das Spektakel schuf 6.100 Arbeitsplätze vor Ort und sorgte auf staatlicher und lokaler Ebene für ein zusätzliches Steueraufkommen von 27 Millionen Dollar.
Sieben Jahre später bemühte sich Arizona erneut um die Austragung des Super Bowls. Kurz nach der Einweihung des neuen University of Phoenix Stadium im Jahr 2003 nahm Phoenix an der Ausschreibung zur Ausrichtung teil, verbunden mit Anreizen im Umfang von 20 Millionen Dollar, wozu die Bereitstellung von 20.000 erstklassigen Hotelzimmern und eine Erhöhung der öffentlichen Sicherheit zählte. Diese Investition dürfte sich sicherlich auszahlen: Nach Prognosen des Super Bowl Host Committee werden sich die ökonomischen Impulse auf die lokale Wirtschaft in einer Größenordnung zwischen 400 und 500 Millionen Dollar bewegen.
Die Massen beginnen bereits, sich in und um Phoenix zu versammeln und es scheint, als hätten sie ihre Spendierhosen an. Während unseres Telefongesprächs musste Unternehmer Sodell ständig den Hörer beiseite legen, um Kunden zur Hand zu gehen. Als eine Frau nach einem bestimmten Trikot fragte, das er nicht im Regal hatte, antwortete Sodell: „Wenn Sie uns Ihren Namen und die gewünschte Größe hinterlassen, werden wir Ihnen eines zurücklegen. Die gehen weg wie warme Semmeln.“ Er ist sicher nicht der einzige, der auf einen restlosen Ausverkauf hofft.
Donnerstag, 31. Januar 2008
Super Bowl XLII
Am Sonntag ist es soweit: Super Bowl! Wir sind wie schon geschrieben bei Scott eingeladen und er wird Filetsteaks vom Wild grillen *yay*. Hier mal allgemein ein sehr guter Artikel zum Super Bowl:
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